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Fort- und Weiterbildung
27.5.2020

Starke Führung - Starke Branche

4 Kompetenzen, die eine Führungskraft in der Pflege stärken.

Coach für Führungskräfte
Sarah Königsmann

In meiner Arbeit als Coach für Führungskräfte in der Pflege bekomme ich fast täglich einen Einblick in den Arbeitsalltag von Pflegedienstleitungen, Standortleitungen, Wohnbereichsleitungen, Stationsleitungen und Unternehmern in der Pflege.

Nicht selten berichten meine Coachees von herausfordernden Situationen, die oftmals mit Überlastung, Frustration, Überforderung und mit Schicksalen zu tun haben. Meine Aufgabe ist es dann mit nützlichen Impulsen zu unterstützen. Meinen Kunden genau die Perspektive zu eröffnen, die es ihnen möglich macht, auch die größte Herausforderung zu meistern.

In einer Branche, die so wichtig für unsere Gesellschaft ist (und diese auch schon vor der Corona-Krise war – komischerweise wird dies einem Großteil der Gesellschaft jetzt erst klar) sollte ein besonderes Augenmerk auf die Stärke und Zufriedenheit der Mitarbeiter gelegt werden. Damit aber die Fachkräfte genau dies sein können, muss die Entwicklung bei den Führungskräften eine hohe Priorität haben.

Meine Vision als Führungscoach in der Pflege ist es, dass die erste Assoziation mit der Pflegebranche nicht mehr „Fachkräftemangel“, „Überlastung“, „unangemessene Vergütung“ und „schlechte Arbeitsbedingungen“ sind, sondern, dass es ein Privileg ist, in genau dieser STARKEN Branche zu arbeiten. „Tolle Entwicklungsmöglichkeiten“, „attraktive Arbeitgeber“ und „Branchenstolz“ sollten die ersten Worte sein, die man mit Pflege in Verbindung bringt.

„Gibt es ein Patentrezept für gute Führung?“ Diese Frage wird mir häufig gestellt. Da ich der Überzeugung bin, dass jeder auf seine ganz eigene Art und Weise führen sollte und Individualität und Authentizität sehr wichtig sind, würde ich diese Frage immer wieder mit NEIN beantworten. ABER es gibt durchaus Kompetenzen, die einer Führungskraft Unterstützung und Struktur bieten den eigenen, individuellen Weg zu finden.

1. FAIR KOMMUNIZIEREN

Um eine wertschätzende, klare und faire Kommunikationskultur in einem Team zu etablieren, ist es sehr hilfreich Teamspielregeln zu definieren. Dies kann sehr schön in einer Teambesprechung mit allen Mitgliedern auf spielerische Art und Weise gemacht werden (per Zuruf auf einer Flipchart die Ideen sammeln). Sind nämlich Regeln der Zusammenarbeit und der Kommunikation vom Team selbst aufgestellt, kann es sich besser damit identifizieren und diese einhalten. Generell sind regelmäßige Teammeetings ein tolles Tool, um eine professionelle Informationsplattform zu bieten und mit seinen Mitarbeitern in den konstruktiven Austausch zu gehen. Auch das persönliche 1:1 Mitarbeitergespräch ist eine sehr wertschätzende Methode, um persönliche Ziele zu stecken, Entwicklungsmaßnahmen zu definieren, Feedback zu geben und seine Mitarbeiter noch besser kennenzulernen.

Ergebnis: Stärkerer Teamgeist, Zusammenhalt untereinander, gute Stimmung im Team.

2. VORBILDFUNKTION

Das Team ist der Spiegel der Führungskraft. Wenn die Führungskraft mit mieser Laune und wenig Motivation auf der Arbeit erscheint, so ist es ziemlich wahrscheinlich, dass auch das Team eher lustlos und unzufrieden in den Dienst startet. Diese Stimmung verbreitet sich schnell im ganzen Team und wirkt sich zeitgleich auch auf die Kunden/Patienten aus (eindeutige Loose-Loose Situation). Startet die Leitungskraft aber voller Elan und Tatendrang und mit klaren Zielen und in den Tag, so färbt dies genauso ab. Diese Wechselwirkung zu beobachten, ist wie ein natürlicher Motivationsbooster. Einfach nur klasse. Um selbst motiviert und zufrieden in den Tag zu starten ist Nr. 3 ein wichtiger Punkt.

3. SELBSTMANAGEMENT

Führungskräfte die es schaffen sich selbst gut zu managen, fällt es deutlich leichter auch ein Team zu führen. Hat man für sich selbst eine gute Struktur gefunden, lässt es sich effizienter arbeiten. Ziele werden erreicht und dies wiederum motiviert die Führungskraft selbst.

Mein Tipp ist hierbei:

- Am Anfang der Woche jeden Arbeitstag planen und mit Zielen (To-Do´s) versehen

- Zu diesen jeweiligen Tageszielen, direkt Handlungen definieren

- Nach jedem Arbeitstag diese Ziele kontrollieren

- Hat man alles oder vielleicht sogar noch mehr geschafft, diesen Erfolg definitiv „feiern“ (das muss nicht immer mit einer Flasche Sekt sein - ein Einfaches „WOW- das habe ich heute gut gemacht“ reicht auch aus) Das kurbelt die Eigenmotivation massiv an!

- Hat man nicht alles geschafft- Optimierungmaßnahmen definieren und am nächsten Tag einfach von vorne beginnen.

4. ZIELE VORGEBEN

Was sich so banal und selbstverständlich anhört, ist ein maßgeblicher Faktor für den Erfolg einer Führungskraft. Nur wer es schafft, genau und sehr präzise zu formulieren, was das Ziel der Abteilung, der Station oder des Verantwortungsbereichs ist, gibt seinen Mitarbeitern die Möglichkeit auf Hochtouren zu kommen. Hierbei ist der Weg zum Ziel mindestens genauso wichtig, wie die Zielerreichung selbst. Stellen wir uns vor, dass das Team einen Berg erklimmen soll. Dann ist es wichtig, den Weg mit seinen Hindernissen, Stolperfallen und Abkürzungen genau zu erklären. Im besten Falle gibt man eine Landkarte mit einer Wegbeschreibung mit. In Mitarbeitermeetings können diese Ziele kommuniziert werden. Hier kann das Team auch Vorschläge zur Zielerreichung geben. Generell ist es eine sehr gute Idee Fachkräfte mit einzubeziehen. Immerhin sind sie immer am Kunden/Patienten und haben sicher tolle Vorschläge, um den Erfolg der Abteilung noch weiter voranzutreiben.

Toller Nebeneffekt: Mitarbeiter fühlen sich gewertschätzt und sind motiviert Ziele zu verfolgen.

Die Frage, die sich grundsätzlich stellt ist, was wir mit Führung erreichen wollen und was das Ergebnis von guter Führung in der Pflege letztendlich ist.

Das größte Ziel einer jeden Führungskraft sollte sein, dass Mitarbeiter und Kunden/Patienten gleichermaßen zufrieden sind. Aus dieser Zufriedenheit auf beiden Seiten resultiert nicht nur automatisch eine gesellschaftliche Stärkung der gesamten Pflegebranche, sondern auch ein Wachstum. Junge Menschen entscheiden sich, sich in diesem Bereich zu professionalisieren. Bestandsmitarbeiter sind stolz auf ihre Berufswahl und motivieren wiederum andere potentielle Mitarbeiter.

Eine Professionalisierung der Führungsebene in der Pflege bedeutet Zeit und Geduld. Vielleicht auch Geld in Weiterentwicklungsmaßnahmen zu stecken, aber letztendlich bedeutet es vor Allem eine Investition in die starke Zukunft unserer Branche. Unsere starke Pflegebranche.

Ich wünsche allen Pflegebegeisterten viel Spaß beim Teilen dieses Beitrags und ich persönlich freue mich über jeden Erfahrungsbericht, Feedback oder Nachricht in Bezug auf Führung in der Pflege.

Herzliche Grüße

Sarah Königsmann

https://www.koenigsmann-coaching.de/

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